Streifzüge durch Japans Gebrauchte Architektur, Kyoto (J)

(039)

AUFTRAGGEBER
Goethe Institut

ORT
Goethe Institut Villa Kamogawa, Kyoto (J)

JAHR UND DAUER
Mai – Juli 2013

Erstes Ergebnis unsres dreimonatigen Stipendienaufenthalt in der Künstlerresidenz des Goethe Instituts in Kyoto, war die Ausstellung Streifzüge durch Japans gebrauchte Architektur in der Villa Kamogawa und ein dazugehöriger Vortrag. Ein Netz aus den, in Japan derzeitig boomenden Hygienemasken wurde zum Träger von architektonischen (und nicht architektonischen) Eigenheiten des Landes. Ebenfalls zu sehen war unsere, in Bentoboxen archivierte, Sammlung umgenutzter und Gebrauchter Architekturen.

Inspiriert von Terunobu Fujimoris Architecture Detectives League und der ROJO Kansatsu Gakkai (Street Observation Society) und beeinflussst von Arata Isozakis theoretischen Überlegungen zur Japan-ness in der Architektur haben wir im April 2013 unsere Streifzüge durch Japans Gebrauchte Architektur begonnen. Unsere Beobachtungen haben wir fortwährend fotografisch und schriftlich festgehalten und später katalogisiert. Parallel zu den eigenen Beobachtungen diskutierten wir unsere Fragen in persönlichen Gesprächen mit Architekten, Institutionen und Wissenschaftlern.

(102)
Stadtbücherei, Lichtenfels

AUFTRAGGEBER
Stadt Lichtenfels

ORT
Lichtenfels

PROJEKTTYP
Umbau und Neubau

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

BAUKOSTEN KG 200 – 800
5.500.000 €

BGF
300 qm

NF
500 qm

Lichtenfels erhält eine Lesetreppe, Spielstufen, einen Stiegenhof, eine Freilufttribüne oder einen Schlossaufgang. Die Nutzungen und Deutungen für den Hof und die Stadtbücherei am Marktplatz 10 sollen vielfältig sein.

Ausgehend von der historischen Durchgangsachse, die Schmal war, bildet der Entwurf – Länge und Raumkante des Hofes nutzend – verwobene und topographisch ausgebildete Innen- und Aussenräume.

Von aussen betrachtet besteht die Stadtbücherei aus drei Baukörpern: Dem historischen Bau am Marktplatz, dem Lesesaal und einem Hinterhofhaus. Die Gliederung in längliche Volumen greift die Stadtstruktur an dieser Stelle auf; so entsteht auch in der Höhenentwicklung eine der Situation angemessene Dachlandschaft.

Der Eingang in die Bibliothek und zu den Verwaltungsräumen ist im Erdgeschoss des historischen Gebäudes: rechts Verwaltung, links Touristeninformation und Bücherei.

Der Lesesaal entwickelt sich ohne räumliche Trennung aus dem gemeinsamem Counter, der zu Schliesszeiten mit einer mobilen Wand abgeschlossen werden kann. Der Lesesaal ist durch eine Bücherwand gegliedert; diese Wand trennt im unteren Teil die Nebenfunktionen der Bücherei im Erdgeschoss und im oberen Teil die leiseren Zonen der Bücherei von der lebendigen Lesetreppe.

In den drei Geschossen des Hinterhofhauses sind Leseplätze, Arbeitsräume und die verschiedenen Abteilungen mit Nebenfunktionen untergebracht. Die Geschosse sind durch eine freistehende Treppe verbunden. Die Dachterrasse auf dem Lesesaal wird als großzügiger Dachgarten mit Sitzgelegenheiten ausgebildet; er dient sowohl den Benutzern und Mitarbeitenden der Bücherei als auch Passanten als Ruhepol in der Innenstadt.

Realisierung 2020 – 2024.

(065)
THESE LITTLE THINGS ARE EVERYWHERE BUT ONLY FEW GET EXAMINED BY AN ARTIS, BIMSB Berlin

AUFTRAGGEBER
Max Dellbrück Centrum

ORT
BIMSB Berlin

MATERIALIEN
Kunststeinschale, 26.00 Polyethylen-Kugeln, Auswurfapparatur, LED-Strahler Berlin

REALISIERUNGSKOSTEN
90.000 €

Im Treppenhaus des BERLIN INSTITUTS FOR MEDICAL SYSTEMS BIOLOGY entsteht ein magischer Raum und zugleich logisch berechneter Ort. Fluoreszierende Kugeln fallen in programmierten Abständen vom obersten Geschoss über 20 m durch das Treppenhaus und sammeln sich in einer Schale im Erdgeschoss.

In Detlev Gantens Zitat über Max Delbrück benennt er eine wesentliche Gemeinsamkeit von Kunst und Wissenschaft. Gerade im Forschungsfeld der Molekularmedizin, ebenso wie bei den Künsten ginge es immer darum, „das Unsichtbare sichtbar zu machen“. Die Idee für das Kunstwerk ent- stand in der Auseinandersetzung und dem Weiterspinnen dieses Gedankens. Entstanden ist ein Spiel mit dem „nahezu Unsichtbaren“. Das Kunstwerk hebt das Untersuchen von (für das menschliche Auge unsichtbaren) Kleinstteilen in der Systembiolgie (Zellen, Genome, etc.), in einen, für das menschliche Auge gerade so sichtbaren Maßstab und somit auf eine physisch erfahrbare und ästhetische Ebene.

Über den Tag verteilt fallen 140 Kugeln durch das Treppenauge. Der Rhythmus, in dem die Kugeln fallen, orientiert sich dabei an der mathematischen Charakteristik der Normalverteilung. Ein Beobachter kann so über einen vollständigen Abwurfzyklus der Kugeln die mathematische Charakteristik der Normalverteilung durch den Rhythmus der fallenden Kugeln:

optisch (Beobachter sieht die fallenden Kugeln.)
akustisch (Beobachter hört das Geräusch der auftreffenden Kugeln in der Schale.)
physisch (Beobachter kann mit etwas Geschick und Ausdauer ggf. eine Kugel im Flug an einer beliebigen Position im Treppenhaus fangen.) 

wahrnehmen.

Das Kunstwerk wurde am 30.08.2019 der Öffentlichkeit vorgestellt und in Betrieb genommen.


(094)
Kiswa Periskop, Universität Tübingen

AUFTRAGGEBER
LANDESBETRIEB VERMÖGEN UND BAU BADEN WÜRTTEMBERG

ORT
ZENTRUM FÜR ISLAMISCHE THEOLOGIE DER UNIVERSITÄT TÜBINGEN (D)

MATERIALIEN
STOFF, KUNSTSTEIN, SPIEGEL

ABMASSE
1 x 1 x 7m

REALISIERUNGSKOSTEN
90.000 EUR

Am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen entsteht mit dem Kiswa Periskop ein Ort, an dem sich Wissen und Glauben bündeln und Ver- und Enthüllen koexistieren.

Ein Streifen einer obsoleten Kiswa, des Stoffes der heiligen Kaaba aus Mekka, wird in der Bibliothek ausgestellt. Durch eine Periskopstele im Bibliotheksinnenhof lässt sich das Textil und auch das sich davor abspielende Bibliotheksgeschehen vom Plateau aus beobachten.

Das Projekt wird zur Zeit realisiert und voraussichtlich 2022 abgeschlossen sein.

(91)
Raumorgel, Zionskirche in Berlin

PROJEKTTYP
Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung einer neuen Orgel in der Zionskirche Berlin

ORT
Zionskirche in Berlin

Nicht nur der Klang der neuen Orgel in der Berliner Zionskirche öffnet sich in den Raum; sie selbst bildet den Raum. Ein „Wald“ aus Pfeifengruppen steht auf den Emporen und eröffnet Besuchern, Zuhörern und Gläubigen neue Möglichkeiten des Erlebens und der Teilhabe an Musik. Dem Organisten eröffnet diese räumliche Aufteilung von Klangquellen Spielinterpretationen, wie sie bei herkömmlichen Orgeln nicht möglich sind.

Mit dieser Orgelkonzeption wird sowohl an sakrale Funktionen und Traditionen angeknüpft, als auch Bezug zur sozialen Bedeutung und Geschichte des Ortes genommen: Als Ort sozialer Offenheit und Interaktionen (Dietrich Bonhöffer, Ost-Punk-Konzerte, Umweltbewegung, Neues Forum etc.) scheint uns eine Orgel, welche man nicht nur von außen ansehen, sondern „betreten“ bzw. sich zwischen ihren Komponenten bewegen, sich mit Anderen gemeinsam darin aufhalten und interagieren kann, eine angemessene Antwort auf Ort und Zeit zu sein.

2. Preis, März 2019

(064)
Bürgerhaus Wüstenahorn, Coburg

AUFTRAGGEBER
Wohnbau Stadt Coburg

ORT
Coburg, Ortsteil Wüstenahorn

PROJEKTTYP

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 6

BAUKOSTEN KG 200 – 800
1.500.000 €

BGF
300 qm

NF
400 qm

Vom neuen Quartiersplatz aus zeigt sich das Bürgerhaus mit seinem großen Dach und dem transparenten Erdgeschoss als sichtbares jedoch sich nicht in den Vordergrund drängendes, einladendes Haus.

Von seiner Typologie her ordnet es sich dem See zu. In der klassischen Manier an Ufern stehender Pier- oder Pavillon- bauten, ist der hölzerne Bau ein Mittler zwischen Ufer und Wasser, zwischen Wüstenahorn und Wolfgangsee. Indem es sich dem See und nicht den umliegenden Wohnbauten zuordnet, stellt es seine Sonderfunktion als Haus für alle Bürger des Quartiers deutlich heraus. Das neue Bürgerhaus reiht sich in den umlaufenden Schilfgürtel ein und wird so zu DEM Haus am See.

Das Hauptgeschoss wird von holzgefassten Fensterscheiben dominiert, auf dem ein mit Schiefer eingedecktes Dach ruht. Im Innenraum dominiert bis zur Traufhöhe sichtbar belassenes Holz. Industrieparkett, robuste getischlerte Bareinbauten und Möbel und sägeraue Stützen prägen den Raum. Während das Dach von außen dunkel und ruhend wahrgenommen wird, ist es von innen holzbeplankt, hell gestrichen und erzeugt eine freundliche Untersicht. Das in den Hang geschobene Sockelgeschoss und der innenliegende Kern bilden eine dem Haus Festigkeit gebende Struktur.

(045)
Kultur.werk.stadt in Neustadt b. Coburg

AUFTRAGGEBER
Stadt Neustadt b. Coburg Fachbereich Hochbau

ORT
Neustadt b. Coburg

PROJEKTTYP
Umbau uns Erweiterung

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

BAUKOSTEN KG 200 – 800
2.000.000 €

BGF
1.847 M2

NF

VOM LINEAREN ZUM MEHRDEUTIGEN

Mit unserem Entwurf für die kultur.werk.stadt. wurde die Druckerei Patzschke in mehreren Operationen von einem Gebäude für lineare Produktion in ein vielfältiges und mehrdeutiges kulturelles Zentrum umgewandelt. Die neue kultur.werk.stadt besteht heute aus Veranstaltungs- und Ausstellungssälen, dem städtischen Kultur- amt mit Archiv, Künstlerwerkstätten, Räumen der Volkshochschule und einem Museum zur innerdeutschen Grenzgeschichte.

ARCHITEKTONISCHE IDEE

Glasbausteinwände teilen die ehemaligen Druckereihallen nun in Räume und Erschliessung. Die historische Redaktionsvilla wurde denkmalgerecht saniert. Ein Erweiterungsbau entwickelt sich aus der Dachlandschaft und formt einen Vorplatz, der die neue öffentliche Bedeutung signalisiert.

(056)
Spiritus Familiaris, IKMZ Universität Potsdam

AUFTRAGGEBER
Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)

ORT
Informations- Kommunikations- und Medienzentrum der Universität Potsdam (IKMZ)

BAUBUGET
130.000 €

Alle fünf Kunstwerke sind Inszenierungen einer skurrilen Zweitwelt; der Welt des SPIRITUS FAMILIARIS; des Hausgeistes des IKMZ. Jedes Kunstwerk zeigt einen Ort aus seinem Wohn- und Arbeitsumfeld. Der Geist selbst bleibt jedoch verborgen.

Eine in den satinierten Granit der Fassade gemeißelte Inschrift erinnert an Klingelschild und Grabstein zugleich und weist bereits von außen auf die Existenz des Geistes hin. Aus der Decke des großen Lesesaals wächst sein Schlaf-, aus der rot lackierten Wand des nordöstlichen Treppenhauses sein Arbeitsplatz heraus. Im 1. OG des südwestlichen Treppenhauses findet sich bei näherem Hinsehen eine verschlossene Geheimtür und im künstlich beleuchteten, von nüchternen Sichtbetonwänden flankierten Freihandbereich im 3.OG., weist ein aus Beton gegossenes Bücherregal auf die Forschertätigkeit des Hausgeistes hin.

Die einzelnen Kunstwerke nehmen nicht nur Bezug zueinander, sondern sind auch eng verknüpft mit der Architektur des sie umgebenden Raumes. Die Architektur des IKMZ scheint die Kunst sogar nahezu zu gebären. Aus ihren glatten, großzügigen, teils farbig lackierten Oberflächen, wachsen die Kunstwerke in jeweils gleicher Materialität heraus. Wie ein Chamäleon passt sich jedes einzelne Werk dem Material und der Farbigkeit seiner Umgebung an.

Realisierung 2016

(072)
Neue Remise, Sch(l)afstall auf Schloss Bedheim, Bedheim

AUFTRAGGEBER
Förderverein Schloss Bedheim

ORT
Schloss Bedheim, Bedheim

PROJEKTTYP
Neubau

BAUKOSTEN KG 200 – 800
300.000 €

FÖRDERER
IBA-Thüringen
Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

BGF
400 qm

NF
204 qm

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

Schloss Bedheim nimmt an der Internationalen Bauausstellung Thüringen teil. Eines der ersten realisierten Projekte der IBA Thüringen ist die Neue Remise im Wirtschaftshof der Schlossanlage. Mit dem Holzbau zeigen Architekten und Auftraggeber, wie mit einfachen Mitteln und zum großen Teil im Selbstbau architektonische Qualität im ländlichen Raum geschaffen werden kann.

Der lange Baukörper füllt eine wichtige Fehlstelle im Denk- malensemble. Das außen dunkle und zurückhaltende Haus überrascht im Inneren mit sehr hellen und eigenartigen Räumen. Beim Bau wurde weitgehend auf gekaufte Bauelemente verzichtet, auch die Fenster wurden selbst angefertigt. Das Projekt zeigt die Vorteile des Holzbaus und formuliert eine Gegenposition zum technisierten und hochautomatisierten Holzbau, wie er derzeit propagiert wird. Die Nutzungen der Neuen Remise ähneln denen einer Berghütte ohne Berg. Neben einem Schlafsaal und einem Gästezimmer gibt es eine großzügige Küche, die auch gleichzeitig Aufenthalts- und teilweise sogar Ausstellungsraum ist. Sanitäre Anlagen und Lagerflächen für das nebenstehende Gartencafé ergänzen das Programm.

Damit übernimmt der Ende 2018 fertiggestellte Neubau an diesem komplexen Ort eine Schlüsselposition. Das Gebäude hat eine Hebelwirkung: Mit ihm geht nun vieles, was zuvor schwer vorstellbar war und das unkomplizierter, wärmer, ökonomischer und ökologischer.

(051)
Bedheimer Kamingespräche überLand.Bau.Kunst, Schloss Bedheim

GASTGEBER
Anika Gründer und Florian Kipfel

ORT
Schloss Bedheim

VERANSTALTUNGSFORMAT
Konferenz seit 2015

Die Bedheimer Kamingespräche über Land.Bau.Kunst sind eine 2015 ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe über ein jeweils aktuelles Thema zu den Überbegriffen architektonische und künstlerische Qualitäten auf dem Lande.

Gegründet und organisiert wurde dieses Format von Anika Gründer, Florian Kirfel, Nikola Mayer und Erik van der Werf. Es findet in Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung der IBA Tühringen statt.

Ende Oktober, wenn der Spätsommer noch nicht ganz fort ist, aber das Kaminfeuer schon populär, laden wir seit 2015 zu den Bedheimer Kamingesprächen ein. Eine Gruppe von 20 bis 30 an Baukultur im weitesten Sinne interessierten Gästen versammelt sich für ein Wochenende auf Schloss Bedheim um gemeinsam über ein Thema zu diskutieren, frische ländliche Luft zu atmen, Kartoffeln zu schälen und ausgedehnt gemeinsam zu speisen.

Die Gäste sind eine Auswahl von renomierten Architekten, Entscheidungsträgern aus der Politik, Journalisten, Schriftstellern und langjährigen Freunden Schloss Bedheims.

ERSTES KAMINGESPRÄCH_ 23. – 24. Oktober 2015
Architekturproduktion in und aus der Provinz

ZWEITES KAMINGESPRÄCH_ 21. – 22. Oktober 2016
HANDS ON _ Der Selbstbau zwischen Baumarktcharme und künstlerischem Meisterwerk

DRITTES KAMINGESPRÄCH_ 5. Oktober 2018
U-TURN, I-TURN, STADTFLUCHT – Initiativen für Kunst, Bauen und Anbauen auf dem Land

(000)
Bauwerkstatt Schloss Bedheim

LEHRFORMAT
Eigenes Lehrformat an der Bauhaus-Universität Weimar, seit 2014 jährlich, 15 – 20 Teilnehmer*innen

ORT
Schloss Bedheim in Bedheim

DAUER
2 Wochen

ZIELGRUPPE
Bachelor- und Masterstudierende

LEHRENDE
Anika Gründer und Florian Kirfel

Seit 2014 bieten wir jedes Jahr im September ein zwei- wöchiges Blockseminar für Architekturstudierende der Bauhaus-Universität-Weimar an.
Konzept und Organisation der Bauwerkstatt wurden von uns entwickelt. Das Seminar ist an den Lehrstuhl für Baugeschichte und Denkmalpflege von Herrn Prof. Hans-Rudolf Meier angegliedert.

Ziel der Bauwerkstatt ist die Verknüpfung von Lehre, Forschung und Praxis. Die Studierenden lernen in der Bauwerkstatt durch praktische Anwendung Baukonstruktionen und Baumaterialien beim Bauen im Bestand und in der Denkmalpflege kennen. Dabei handelt es sich sowohl um historische als auch zeitgenössische Techniken. Das Vorgehen von Restauratoren kann ebenso Inhalt sein, wie die Ertüchtigung bestehender Bausubstanz. Weitere Lerninhalte sind eigenverantwortliche Arbeit auf einer Baustelle, Selbstorganisation und Teamwork. Weiterführend möchten wir durch die Gewinnung eines sichereren physischen Umgangs mit dem Denkmal, auch einen sichereren Umgang beim Entwerfen von Aufgaben in der Denkmalpflege und beim Bauen im Bestand fördern.
Die einzelnen Arbeitsschritte werden in ihren grösseren architektonischen und konstruktiven Zusammenhängen erläutert. Dies geschieht einmal direkt auf der Baustelle, bei Rundgängen durch das Schloss und bei Vorträgen nach Feierabend. Handwerker und Hersteller von Baumaterialien werden zusätzlich herangezogen.

Das Vorbild für diesen Ansatz sind die design&build-Studios aus der US-amerikanischen Architektenausbildung.

(041)
Markt 33, Ummerstadt

AUFTRAGGEBER
Stadt Ummerstadt

ORT
Marktplatz in Ummerstadt

PROJEKTTYP
Umbau und Sanierung, Denkmalpflegerische Instandsetzung

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

BAUKOSTEN KG 200 – 800
1.000.000 €

Das ehemalige Wohnhaus aus Fachwerk und seine Nebengebäude sind ein Einzeldenkmal und liegen markant an der Ecke des Ummerstädter Marktplatzes. Die Baugeschichte des Anwesens reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück.

Nach jahrelangem Leerstand waren zunächst aufwändige Sicherungsmaßnahmen notwendig. Während die Fassade weitgehend nach historischem Vorbild wieder hergestellt wurde, wurde die kleinteilige Struktur im Innenraum den neuen Nutzungen angepasst.

Als ein besonders typisches Beispiel für die Revitalisierung von Bestandsbauten im innörtlichen Raum, ist der Markt 33 selbst Anschauungssprojekt des Kompetenzzentrums.
Im Anwesen befinden sich neben Ausstellungs- und Veran- staltungsräumen auch die Geschäftsstelle der Iniative und eine kleine Ferienwohnung für Radtouristen.

Das Projekt wurde durch die Städtebauförderung und das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gefördert. In 5 Bauabschnitten wurde das Projekt von 2014 – 2018 realisiert.

(012)
Verwerfung oder die Eroberung eines Blicks, Villa Rosental in Jena

AUFTRAGGEBER
JenaKultur

Realisierung des Botho-Graef-Kunstpreis 2012

ORT
Villa Rosenberg in Jena

MATERIAL
Stampfbeton, Holz, Stahl

LEISTUNGSUMFANG
1 – 9

BAUKOSTEN KG 200 – 800
60.000 €

ABMASSE
5,5 x 5,0 x 3,8 m

Als Folly und gleichzeitig Stück zeitgenössischer Kunst, zit- iert die Arbeit Verwerfung oder die Eroberung eines Blickes keine architektonischen Typologien wie Tempel oder Kathe- drale, sondern nimmt Bezug auf einen Blick und somit eine Landschaftsform; hat als Referenz nicht ein geschichtliches Objekt, sondern den Berg gegenüber.

Die Skulptur wurde vom StudioGründerKirfel im Selbstbau, gemeinsam mit Studierenden der Bauhaus-Universität-Wei- mar errichtet.

Ähnlich wie eine Stadt eine Partnerstadt hat, erhält die Vil- la Rosenthal einen Partnerort: die Studentenrutsche, eine weithin sichtbare Verwerfung in den Jenaer Kernbergen. Eine Verwerfung ist eine Bruchstelle im Gestein, eine geologische Störung, die zwei Gesteinsbereiche gegeneinander versetzt. Im Falle der Studentenrutsche wurde die Terebratula-Zone (unterer Muschelkalk) auf der südlichen Seite um etwa 6 Meter relativ zur Nordseite abgesenkt. Als Zeichen der Verknüpfung beider Orte wird im Garten der Villa Rosenthal eine begehbare Skulptur, ein neues Folly errichtet, von deren Innenraum sich der gezielte Blick auf die gegenüberliegenden Kernberge eröffnet. Die Partnerschaft macht sich bereits vor Eintritt in die Skulptur bemerkbar, denn seine äussere Hülle bildet die markante Muschelkalkstruktur des gegenüberliegenden Hangs ab.

Ansatzpunkt ist es, die Aufmerksamkeit auf das ureigene Potential des Ortes, nämlich die Lage auf einer Klippe und somit der Blick in die Ferne, zu lenken.

(001)
Schloss Bedheim

AUFTRAGGEBER
Familie Kirfel-Rühle

ORT
Schloss Bedheim, Bedheim

PROJEKTTYP
Notsicherung
Nutzungskonzept
Renovierung / Konservierung
Rekonstruktion

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

REALISIERUNG
2012 – 2020

Die barocke Schlossanlage von Bedheim ist ein überregional bedeutendes Beispiel für einen barocken Gutshof mit sehr differenzierter Baugeschichte.
Seit 2012 bis heute saniert und revitalisiert das Studio Gründer Kirfel das Denkmalensemble in Teilschritten. Seit 2013 haben wir auch unseren Wohn- und Bürositz dort.

Umfangreichen Notsicherungen und Bestandsaufnahmen folgte die Ausarbeitung eines breit aufgestellten Konzeptes für die Restaurierung und denkmalverträgliche Revitalierung. Reparatur, Ergänzung, der Ersatz von Bauteilen, erfolgte in substanzschonenden, historischen Bauweisen. In den Bauten und Räumen musste ein breites Spektrum an Funktionen untergebracht werden: Wohnraum, öffentliche Veranstaltungsbereiche, Museale Ausstellungsräume, Gastronomie, Gartenbau, Ateliers usw. Das Konzept ist langfristig angelegt und bedarf eines präzisen und integrierten Planungsaufwandes.

2009 wurde das kleine Wachhaus aus dem 18. Jahrhundert in ein Café umgenutzt. Nach sorgfältigem Aufmass wurde das Gebäude von allen Einbauten befreit und die ursprüngliche Erschliessung wieder hergestellt.
2012-13 wurden der Ostgiebel und der Mittelrisalit mit För- dermitteln aus dem Denkmalschutz- Sonderprogramm des Bundes III, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege saniert und rekonstruiert. 2012 -2015 wurden 5 Wohnungen saniert und der Josephssaal im Westflügel wiederhergestellt. 2014 folgten Reparatur und Verputz der gartenseitigen Außenfassaden. 2015 wurden die Vorräume des Josephsaals wiederhergerichtet.

(003)
Interventionen auf Schloss Bedheim

ORT
Schloss Bedheim, Bedheim

KUNSTWERKE
Teilsaniert 2013
Abtrag 2014
Brauchst du hier Mut 2015/2016

FÖRDERER
Hypo Kulturstiftung, Förderverein Schloss Bedheim

TEILSANIERT_ Der Zustand des Denkmalensembles wird in einem einzigen Objekt zusammengefasst. Ein hölzerner Balkon an der, dem französischen Garten zugewanndten Nordseite des Schlosses, wurde in akribischer Handarbeit exakt zur Hälfte von Einbauten der 70er Jahre befreit und anschließend mit weisser Leinölfarbe gestrichen. Die Idee der Teilung wurde dabei bis ins Detail durchgehalten und sogar auf Bepflanzung und Möblierung ausgeweitet.

BRAUCHST DU HIER MUT_ „Brauchst du hier Mut“ ist ein häufig zu hörender Satz auf Schloss Bedheim. Die immer wieder in allen möglichen Varianten ausgerufene, geflüsterte oder geseufzte Mut-Bekundung, irritierte mich sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer inhaltlichen Aussage. Das Kunstwerk ist somit eine Konfrontation der Besucher mit ihren eigenen Wünschen, Ansprüchen, Sorgen und Ängsten sowohl an einen Denkmalbesuch als auch an ihre persönliche Lebensplanung.

ABTRAG_ Künstlerische Begleitung der im Winter folgenden Stuckrestaurierung des Josephssaals. Die alten Farbschichten wurden entlang einer Querachse des Saals entfernt und dieser Prozess fotografisch dokumentiert. Der Stuckateur Klaus Rietschel aus Weimar stand dem Vorhaben mit seinem Fachwissen beiseite und stellte Heißdampfstrahler, Vakuumgerät, Zellulosekompresse, Stachelwalze, Spachtel und Modellierhölzer zur Verfügung.

(039)
Streifzüge durch Japans Gebrauchte Architektur, Kyoto (J)

AUFTRAGGEBER
Goethe Institut

ORT
Goethe Institut Villa Kamogawa, Kyoto (J)

JAHR UND DAUER
Mai – Juli 2013

Erstes Ergebnis unsres dreimonatigen Stipendienaufenthalt in der Künstlerresidenz des Goethe Instituts in Kyoto, war die Ausstellung Streifzüge durch Japans gebrauchte Architektur in der Villa Kamogawa und ein dazugehöriger Vortrag. Ein Netz aus den, in Japan derzeitig boomenden Hygienemasken wurde zum Träger von architektonischen (und nicht architektonischen) Eigenheiten des Landes. Ebenfalls zu sehen war unsere, in Bentoboxen archivierte, Sammlung umgenutzter und Gebrauchter Architekturen.

Inspiriert von Terunobu Fujimoris Architecture Detectives League und der ROJO Kansatsu Gakkai (Street Observation Society) und beeinflussst von Arata Isozakis theoretischen Überlegungen zur Japan-ness in der Architektur haben wir im April 2013 unsere Streifzüge durch Japans Gebrauchte Architektur begonnen. Unsere Beobachtungen haben wir fortwährend fotografisch und schriftlich festgehalten und später katalogisiert. Parallel zu den eigenen Beobachtungen diskutierten wir unsere Fragen in persönlichen Gesprächen mit Architekten, Institutionen und Wissenschaftlern.

(018)
Lutherkanzel, Torgau

AUSLOBER
Bund Bildender Künstler Leipzig e.V. in Kooperation mit der Stadt Torgau

ORT
Nikolaikirche, Torgau

PROJEKTTYP
Temporäre Installation

Mit der Arbeit LUTHERKANZEL 2012 wird eine verborgene Spur wieder aufgenommen und die ehemalige Nikolaikirche, ein einst bedeutsamer Ort, an dem Martin Luther vor fast 500 Jahren die ersten Taufen und Predigten auf Deutsch hielt, wieder sichtbar gemacht.

Wie ein wertvolles Kleinod liegt die weiße Kanzel an der durch unzählige Geschichtsspuren gekennzeichneten Fassade. Seit ihrer Erbauung im 13. Jahrhundert wurde die Kirche als Gewandhaus, Kaufhaus, Lager, Gefängnis, Behausung für einen großen Wassertank und als Munitionslager genutzt.

Durch die Platzierung eines einzigen Objektes wird nun der einst sakrale Innenraum für wenige Monate in den Außenraum verlegt.

Die LUTHERKANZEL 2012 funktionierte als eigenständiges Objekt, wurde im Sommer 2012 jedoch auch mit einer Theaterperformance, einem Lesewettbewerb und Konzerten bespielt. Die Installation wurde zum Katharina-Tag, am 30. Juni, der Öffentlichkeit übergeben.