Spiritus Familiaris, IKMZ Universität Potsdam

(056)

AUFTRAGGEBER
Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)

ORT
Informations- Kommunikations- und Medienzentrum der Universität Potsdam (IKMZ)

BAUBUGET
130.000 €

SPIRITUS FAMILIARIS ist eine Serie von fünf künstlerischen Eingriffen am Informations- Kommunikations- und Medienzentrum der Universität Potsdam (IKMZ). Die einzelnen Kunstwerke sind Inszenierungen einer skurrilen Zweitwelt. Sie nehmen nicht nur Bezug zueinander, sondern sind auch eng verknüpft mit der Architektur des sie umgebenden Raumes. Die Architektur des IKMZ scheint die Kunst sogar nahezu zu gebären. Aus ihren glatten, großzügigen, teils farbig lackierten Oberflächen, wachsen die Kunstwerke in jeweils gleicher Materialität heraus. Wie ein Chamäleon passt sich jedes einzelne Werk dem Material und der Farbigkeit seiner Umgebung an. 

Realisierung 2016

(093)
Pausenheimaten

AUFTRAGGEBER
Bezirksamt Pankow, Berlin

ORT
Mendelssohn-Bartholdy-Gymnasium, Berlin

MATERIALIEN
Vollholz Fichte verleimt, Wachsöl-Lasur

REALISIERUNGSKOSTEN
136.000 €

Die „l‘art pour l‘art“, die „Kunst um der Kunst Willen“, welche der französische Philosoph und Politiker Victor Cousin Mitte des 19. Jh. verkündete und nach welcher die Kunst nur Selbstzweck, „abgelöst von allen ihr fremden Zielen“ (Universal Lexikon online 2019) sei, ja sich gerade durch ihre Nutzlosigkeit auszuzeichnen habe, bildet gegenwärtig nur eine von vielen Vorstellungen darüber, was Kunst ist, bzw. wie sie beschaffen sein sollte. Heute kann man in Kunstwerken baden, liegen, oder durch sie hindurchlaufen, man kann sie anziehen, oder sogar essen.
Insbesondere in der ortsbezogenen, an realen Orten und in Realitäten eingreifenden Kunst, sind konkrete Absichten, Anliegen und eben auch Aneignungen und Nutzungen häufig der Fall. Und so überrascht es, dass die Sparte der „Kunst am Bau“, die ja eben per se in reale Orte eingreift, sich noch fast ausschließlich der Zweckfreiheit und nicht selten auch der Anliegenlosigkeit verschreibt.
Der Beitrag „Pausenheimaten“ formuliert ganz bewusst Nutzen und Anliegen.

„Pausenheimaten“ ist der Entwurf zweier unterschiedlicher hölzerner Skulpturen, mit den Titeln „GANZ DA“ und „KURZ WEG“ in mehrfacher Ausführung. Anliegen ist es, den Schülern des Felix-Mendelsohn-Bartholdy-Gymnasiums temporäre Heimaten, bzw. Beheimatungen zu bieten. Eigene Erinnerungen lehren, dass Schüler- Innen den Unterricht zumeist in einem von zwei Modi, bzw. Gemütszuständen verlassen. Freilich sind diese zwei Modi in sich wiederum in unzähligen Ausdifferenzierungen möglich. Da gibt es den eher extrovertierten Modus; In diesem ist man mitteilsam oder wissbegierig, in jedem Falle auf Kommunikation ausgerichtet. Diesen SchülerInnen bietet das Heimatknäuel „GANZ DA“ einen angemessenen Raum zur Entfaltung. Oder aber, man startet in eher introvertierter Stimmung in die Pause. Ist nachdenklich, müde oder möchte einfach nur Geist und Stimme eine Weile pausieren lassen. Diesen SchülerInnen bietet das andere Heimatknäuel „KURZ WEG“ Raum und Schutz zugleich. 

Realisierung 2018 – 2021.

(120)
Oberhessisches Museum Gießen, Wettbewerb 1. Preis

AUSLOBERIN
Magistrat der Stadt Gießen

ORT
Stadt Gießen

PROJEKTTYP
Denkmalsanierung und Neubau

BAUKOSTEN KG 200 – 800
6.000.000

LEISTUMGSUMFANG
Leistungsphasen 1–9

WETTBEWERB
1. Preis Realisierungswettbewerb

Gerade in einer Stadt, in der so wenige historische Gebäude die Zeit überdauern konnten, wie in Gießen, ist kaum ein angemessener Ort für Vermittlung der Stadtgeschichte vorstellbar: Aufbauend auf den Relikten der Wasserburg als Keimzelle der Stadt repräsentieren die beiden Häuser am Kirchenplatz verschiedene Zeitschichten – bei einem handelt es sich immerhin um eines der ältesten Fachwerkhäuser Hessens. Große Eingriffe und verunklärende Anbauten können die Prägnanz dieses einzigartigen Ensembles nur schwächen.

Die wesentliche architektonische Voraussetzung, die für ein anregendes Museumserlebnis noch erfüllt werden muss, ist eine Verbindung beider Gebäude, die nach außen den einladenden Charakter verstärkt und im Inneren einen kohärenten Museumsrundgang ermöglicht. Der eingefügte lichte Treppenraum leitet die Besucher über alle Ebenen und macht sowohl die historische Architektur als auch die Ausstellung völlig neu erlebbar. Auch wenn sich die Ergänzung in ihrer Filigranität und Transparenz klar als Werk unserer Zeit zu erkennen gibt, wächst sie mit dem Bestand durch Bezüge zu dessen identitätsstiftender Architektur zu einem schlüssigen Ganzen zusammen. Die vergrößerte Eingangsöffnung unterstreicht das der Öffentlichkeit zugewandte Selbstverständnis des Museums.

(124)
In Memoriam Mollusca, Schloss Wilhelmsthal Kassel

AUSLOBERIN
Museumslandschaft Hessen Kassel

ORT
Calden

PROJEKTTYP
Skulpturen

WETTBEWERB
Kunstwettbewerb

Drei mit einer tief grünen Moosschicht überzogene Muschelskulpturen füllen die Konchen der Grotte im Schlosspark Wilhelmsthal. 

Das bauzeitliche Thema der Muschel wird wieder aufgenommen und ihr dabei eine neue Rolle zugedacht: Anstatt wie im Rokoko den zierenden Hintergrund, die geschnörkelte Dekoration oder das Baumatreial für Skulpturen zu sein, wird die Muschel hier selbst zum Akteur. 

IN MEMORIAM MOLLUSCA bringt die Muschel aber auch noch auf einer anderen Ebene in die Gegenwart: Durch die Auswahl dreier gefährdeter Muschelarten lenkt das Kunstwerk den Blick auf den rasanten weltweiten Rückgang von Muscheln als Folge der Klimaerwärmung und Meeresverschmutzung.

Der waldige Geruch und die schleichenden Veränderungen des Mooswachstums machen das Kunstwerk zu einem sinnlichen Erlebnis und machen es mehr als einmal besuchenswert.

(122)
Umweltbundesamt Berlin

AUSLOBERIN
Umweltbundesamt Dessau

ORT
Berlin

PROJEKTTYP
Umbau und Erweiterung

ARBEITSGEMEINSCHAFT
Glass Kramer Löbbert

WETTBEWERB
Realisierungswettbewerb

Der Dahlemer Forschungscampus für das Umweltbundesamt bekommt, was dringend notwendig ist, eine einladende Adresse. Wo es der weit sichtbare Turm signalisiert ist auch der Haupteingang:
Zentral im Mittelrisalit. Ein Mittelrisalit definiert sich über die Symmetrie und diese wird gewahrt. 

Der historische Laborbau hat eine hochfunktionale, robuste und umnutzbare Struktur. Trotz seines Alters nimmt er die Forderungen an eine nachhaltige Architektur vorweg: Ein Gebäude, das nach einem Jahrhundert immer ohne übermäßigen Aufwand weitergenutzt werden kann.
Aus dem Bestand ergibt sich die Struktur des neuen Laborflügels. Erschließung, gemeinsam genutzte Funktionen und repräsentativer Raum der vorhandenen Architektur werden so auch für 
den Neubau schlüssig und schwellenlos aktiviert.
Der neue Laborflügel ergänzt angemessen und selbstverständlich das unvollendete kaiserzeitliche Bauwerk. Die äußere Erscheinung ist eigenständig und respektvoll gegenüber dem Altbau. In der 
regelmäßigen und einfachen Struktur werden flexibel zonierbare Forschungsflächen mit hohem Nutzungskomfort geschaffen.

(106)
Seesport- und Erlebnispädagogisches Zentrum Kloster

AUSLOBER
Landessportbund Thüringen e.V.

ORT
Bleilochtalsperre, Thüringen

PROJEKTTYP
Neubau

LANDSCHAFTSARCHITEKTEN
Rabe Landschaften

WETTBEWERB
Realisierungswettbewerb

Thüringer Meer entsteht eine klar gefasste und zugleich durchlässige Anlage. Während das beheizte Volumen kompakt in einem Haus gebündelt wird, rahmen flexibel nutzbare überdachte Außenräume den Ort, definieren ihn, sorgen für eine ruhige und robuste Atmosphäre und eröffnen vielfältige Möglichkeiten des Miteinanders. Ein transparentes Erdgeschoss lässt Innen- und Außenräume verschmelzen und sorgt für eine niederschwellige Annäherung an den Ort. Auf diese Weise kann der Landessportbund Thüringen seinem Anspruch an einen ganzheitliches Verständnis von Bildung gerecht werden, bei dem kognitive, emotionale, soziale, wert- und handlungsorientierte Dimensionen eine Rolle spielen.

(109)
Ehemalige Herdfabrik Offenburg, Wettbewerb 2. Phase

AUSLOBERIN
GEMIBAU Mittelbadische Baugenossenschaft eG

ORT
Offenburg

PROJEKTTYP
Neubau

WETTBEWERB
Offener Realisierungswettbewerb

Wohnen an einem Ort mit Geschichte.
Das romantisch anklingende Bild der verlassenen Industrieanlage wird aufgenommen, verfremdet und so zu einer eigenen Identität für ein lebenswertes Wohnquartier weiterentwickelt. 
Neu geschaffene Bauwerke und Freiräume wachsen hier mit den bestehenden zu einem charakteristischen Ganzen zusammen.

(102)
Stadtbücherei, Lichtenfels

AUFTRAGGEBER
Stadt Lichtenfels

ORT
Lichtenfels

PROJEKTTYP
Umbau und Neubau

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

BAUKOSTEN KG 200 – 800
5.500.000 €

BGF
1840 m2

NF
1240 m2

Die neue Stadtbücherei besteht aus drei Baukörpern: Dem historischen Bau am Marktplatz, dem Lesesaal und einem Hinterhofhaus. Die Gliederung in längliche Volumen greift die Stadtstruktur auf; so entsteht auch in der Höhenentwicklung eine der Situation angemessene Dachlandschaft.

Der Lesesaal entwickelt sich ohne räumliche Trennung aus dem gemeinsamem Counter, der zu Schliesszeiten mit einer mobilen Wand abgeschlossen werden kann. Er ist durch eine Bücherwand gegliedert; diese Wand trennt im unteren Teil die Nebenfunktionen der Bücherei im Erdgeschoss und im oberen Teil die leiseren Zonen der Bücherei von der lebendigen Lesetreppe.

In den drei Geschossen des Hinterhofhauses sind Leseplätze, Arbeitsräume und die verschiedenen Abteilungen mit Nebenfunktionen untergebracht. Die Geschosse sind durch eine freistehende Treppe verbunden. Die Dachterrasse auf dem Lesesaal wird als großzügiger Dachgarten mit Sitzgelegenheiten ausgebildet; er dient sowohl den Benutzern und Mitarbeitenden der Bücherei als auch Passanten als Ruhepol in der Innenstadt.

Realisierung 2020 – 2024.

(065)
THESE LITTLE THINGS ARE EVERYWHERE BUT ONLY FEW ARE EXAMINED BY AN ARTIST, BIMSB Berlin

AUFTRAGGEBER
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

ORT
BIMSB Berlin-Mitte

MATERIALIEN
Kunststeinschale, 26.000 Polyethylen-Kugeln, Auswurfapparatur, LED-Strahler

REALISIERUNGSKOSTEN
90.000 EUR

Im Treppenhaus des BERLIN INSTITUTE FOR MEDICAL SYSTEMS BIOLOGY entsteht ein magischer Raum und zugleich logisch berechneter Ort. Fluoreszierende Kugeln fallen in programmierten Abständen vom obersten Geschoss über 20 m durch das Treppenhaus und sammeln sich in einer Schale im Erdgeschoss.

In Detlev Gantens Zitat über Max Delbrück benennt er eine wesentliche Gemeinsamkeit von Kunst und Wissenschaft. Gerade im Forschungsfeld der Molekularmedizin, ebenso wie bei den Künsten ginge es immer darum, „das Unsichtbare sichtbar zu machen“. Die Idee für das Kunstwerk entstand in der Auseinandersetzung und dem Weiterspinnen dieses Gedankens. Entstanden ist ein Spiel mit dem „nahezu Unsichtbaren“. Das Kunstwerk hebt das Untersuchen von Kleinstteilen in der Systembiolgie (Zellen, Genome, etc.), in einen, für das menschliche Auge gerade so sichtbaren Maßstab und somit auf eine physisch erfahrbare und ästhetische Ebene.

Über den Tag verteilt fallen 140 Kugeln durch das Treppenauge. Der Rhythmus, in dem die Kugeln fallen, orientiert sich dabei an der mathematischen Charakteristik der Normalverteilung. Ein Beobachter kann so über einen vollständigen Abwurfzyklus der Kugeln die mathematische Charakteristik der Normalverteilung durch den Rhythmus der fallenden Kugeln optisch, akustisch, physisch wahrnehmen.

Das Kunstwerk wurde am 30.08.2019 der Öffentlichkeit vorgestellt und in Betrieb genommen.


(094)
Kiswa Periskop, Universität Tübingen

AUFTRAGGEBER
LANDESBETRIEB VERMÖGEN UND BAU BADEN WÜRTTEMBERG

ORT
ZENTRUM FÜR ISLAMISCHE THEOLOGIE DER UNIVERSITÄT TÜBINGEN (D)

MATERIALIEN
STOFF, KUNSTSTEIN, SPIEGEL

ABMASSE
1 x 1 x 7 m

REALISIERUNGSKOSTEN
90.000 EUR

Am Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen entsteht mit dem Kiswa Periskop ein Ort, an dem sich Wissen und Glauben bündeln und Ver- und Enthüllen koexistieren.

Ein Streifen einer obsoleten Kiswa, des Stoffes der heiligen Kaaba aus Mekka, wird in der Bibliothek ausgestellt. Durch eine Periskopstele im Bibliotheksinnenhof lässt sich das Textil und auch das sich davor abspielende Bibliotheksgeschehen vom Plateau aus beobachten.

Das Projekt wird zur Zeit realisiert und voraussichtlich 2022 abgeschlossen sein.

(091)
Raumorgel, Zionskirche in Berlin

PROJEKTTYP
Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung einer neuen Orgel in der Zionskirche Berlin

ORT
Zionskirche in Berlin

Nicht nur der Klang der neuen Orgel in der Berliner Zionskirche öffnet sich in den Raum; sie selbst bildet den Raum. Ein „Wald“ aus Pfeifengruppen steht auf den Emporen und eröffnet Besuchern, Zuhörern und Gläubigen neue Möglichkeiten des Erlebens und der Teilhabe an Musik. Dem Organisten eröffnet diese räumliche Aufteilung von Klangquellen Spielinterpretationen, wie sie bei herkömmlichen Orgeln nicht möglich sind.

Mit dieser Orgelkonzeption wird sowohl an sakrale Funktionen und Traditionen angeknüpft, als auch Bezug zur sozialen Bedeutung und Geschichte des Ortes genommen: Als Ort sozialer Offenheit und Interaktionen (Dietrich Bonhöffer, Ost-Punk-Konzerte, Umweltbewegung, Neues Forum etc.) scheint uns eine Orgel, welche man nicht nur von außen ansehen, sondern „betreten“ bzw. sich zwischen ihren Komponenten bewegen, sich mit Anderen gemeinsam darin aufhalten und interagieren kann, eine angemessene Antwort auf Ort und Zeit zu sein.

2. Preis, März 2019

(087)
Schiller-Museum Bauerbach, Thüringen

AUFTRAGGEBER
Klassik Stiftung Weimar (DE)

ORT
Bauerbach, Thüringen (DE)

PROJEKTTYP
Museum und Denkmalpflege

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

BAUKOSTEN KG 300 – 400
750.000 €

BGF
235 m2

BRI
577 m3

 Der Gedenkort an Friedrich Schiller, der in diesem Haus 1782-1783 auf seiner Flucht aus Stuttgart Asyl fand, musste mit einem architektonischen Konzept wieder entdeckt werden. 

Der vorgefundene Bruch zwischen dienenden und ausstellenden Nutzungen sollte mit einem stimmingen räumlichen Gesamtbild überwunden werden. Die restauratorische und baugeschichtliche Befundlage ist, speziell für die bedeutsame Zeit des Aufenhaltes des Dichters, schmal. Neben konservatorische und museologische Massnahmen mussten umfangreiche konstruktive Sicherungen und architektonische Entscheidungen treten, die vor allem in der Wiederherstellung des in früherer Zeit entfernten Aussenputzes und in der Möblierung der Besucherbereiche Ausdruck fanden. 

(064)
Bürgerhaus Wüstenahorn, Coburg

AUFTRAGGEBER
Wohnbau Stadt Coburg

ORT
Coburg, Ortsteil Wüstenahorn

PROJEKTTYP
Neubau

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 6

BAUKOSTEN KG 300 – 400
1.175.000 €

BGF
670 m2

BRI
2.250 m3


Das Bürgerhaus im Coburger Stadtteil Wüstenahorn beheimatet neben einem großen Bürgersaal auch ein Café, ein Quartiersmanagement-Büro und Seminarräume.

Vom neuen Quartiersplatz aus zeigt sich das Bürgerhaus mit seinem großen Dach und dem transparenten Erdgeschoss als einladendes Haus.

Von seiner Typologie her ordnet es sich dem See zu. In der klassischen Manier an Ufern stehender Pier- oder Pavillonbauten, ist der hölzerne Bau ein Mittler zwischen Ufer und Wasser, zwischen Wüstenahorn und Wolfgangsee. Indem es sich dem See und nicht den umliegenden Wohnbauten zuordnet, stellt es seine Sonderfunktion als Haus für alle Bürger des Quartiers deutlich heraus. Das neue Bürgerhaus reiht sich in den umlaufenden Schilfgürtel ein und wird so zu DEM Haus am See.

Das Hauptgeschoss wird von holzgefassten Fensterscheiben dominiert, auf dem ein mit Schiefer eingedecktes Dach ruht. Hirnholzparkett, robuste Einbauten und Möbel und sägeraue Stützen prägen den Raum im Inneren. Das in den Hang geschobene Sockelgeschoss und der innenliegende Kern bilden eine dem Haus Festigkeit gebende Struktur. 

(045)
Kultur.werk.stadt in Neustadt b. Coburg

AUFTRAGGEBER
Stadt Neustadt b. Coburg

ORT
Neustadt b. Coburg

PROJEKTTYP
Umbau und Erweiterung

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

BAUKOSTEN KG 300 – 400
2.000.000 €

BGF
1.847 m2

BRI
6.535 m3

Vom Linearem zum Mehrdeutigen.
Mit unserem Entwurf für die kultur.werk.stadt. wurde die Druckerei Patzschke in mehreren Operationen von einem Gebäude für lineare Produktion in ein vielfältiges und mehrdeutiges kulturelles Zentrum umgewandelt. Die neue kultur.werk.stadt besteht heute aus Veranstaltungs- und Ausstellungssälen, dem städtischen Kultur- amt mit Archiv, Künstlerwerkstätten, Räumen der Volkshochschule und einem Museum zur innerdeutschen Grenzgeschichte.

Architektonische Idee.
Glasbausteinwände teilen die ehemaligen Druckereihallen nun in Räume und Erschliessung. Die historische Redaktionsvilla wurde denkmalgerecht saniert. Ein Erweiterungsbau entwickelt sich aus der Dachlandschaft und formt einen Vorplatz, der die neue öffentliche Bedeutung signalisiert.

(104)
Umbau und Sanierung Wolffskeelhalle Markt Reichenberg

AUSLOBER
Markt Reichenbach

ORT
Markt Reichenbach

PROJEKTTYP
Sanierung und Umbau

WETTBEWERB
Realisierungswettbewerb

Bild der über dem Ort thronenden Halle ist den Einwohnern seit Jahrzehnten vertraut. Auch in Zukunft bleibt der identitätsstiftende Charakter des markanten Bauwerks gewahrt. Entschiedene Eingriffe verändern jedoch sowohl die äußere Erscheinung, als auch die innere Struktur, um heutigen Anforderungen gerecht zu werden. Das Ergebnis muss kein Kompromiss sein, sondern vorhandene Entwurfsmerkmale können konsequent weiter gedacht werden, so dass Bestehendes und Neues zu einem schlüssigen Ganzen verschmilzt.


Vor dem ehemaligen Parkgeschoss verläuft über die ganze Breite ein offener Kolonnadengang. So ruht das Gebäude nun auf einem stringenten, ihm angemessenen, Sockel, der es in der Umgebung verankert. Hier gelegen profitieren die Räume der Mittagsbetreuung von ihrem 
direkten Bezug zum Außenraum an der künftigen Spielwiese.


Der bestehende, eher verschachtelte, Anbau wird oberhalb des Sockels durch ein klares Volumen mit Kleinem Saal und neuem Foyer ersetzt. Dieses verbindet als hoher, lichter Raum die wiederbelebte Terrasse mit der Ebene der Halle. Hier werden die verschiedenen Nutzungen der Bürgergemeinschaft vernetzt und das Gebäude öffnet sich zu beiden Seiten zu einem kommunikativen Miteinander. Die großzügige und einladende Geste unterstreicht das Selbstverständnis als ein der Öffentlichkeit zugewandtes Haus.

Das Zusammenspiel geknickter Betonelemente und filigraner Ziegelstreifen verleiht dem Bauwerk neue Eleganz und Leichtigkeit. Durch die Weiterentwicklung der schon bisher prägenden Elemente kann dabei eine selbstverständliche Einheit mit kraftvoller Ausstrahlung gelingen.

(089)
Gräserfeld, Kunst für die Universität Freiburg

AUSLOBER
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

ORT
Neubau Forschungsgebäude IMITATE

PROJEKTTYP
Kunst am Bau

WETTBEWERB
Kunstwettbewerb

Auf dem Dach des Institute For Disease Modeling And Targeted Medicine wiegt sich ein Feld aus lindgrünen Halmen im Wind. Nachmittags, wenn die Sonne im Westen steht, schimmert und strahlt das leicht transluzente Gräsermeer und lässt eine wogende Lichtarchitektur entstehen.

Im Inneren des Hauses zeigt ein Ensemble aus 10 Fotografien, Bilder der Halme in Nahaufnahme. In dem Spiel aus Licht, Schatten, Himmel und Gräsern bewegen sich in Gedanken versunkene Wissenschaftler. Ist das nicht die Kollegin aus dem Zellkulturlabor? Das steht doch bei uns auf dem Dach? Und haben uns die Künstler jetzt wirklich ihren Rückzugsort ausgeliehen?

(098)
Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, 2. Preis im Wettbewerb

AUSLOBER
Zweckverband Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth

ORT
Mödlareuth

PROJEKTTYP
Neubau

LANDSCHAFTSARCHITEKTEN
BBZ Berlin

WETTBEWERB
2. Preis Realisierungswettbewerb

Das neue deutsch-deutsche Museum in Mödlareuth findet als flacher Satteldachbau Anschluss an Bauten vor Ort, stellt jedoch in Dimension und Hülle aus Kupferblech seine Sonderstellung als Museumsbau klar heraus. Der von der Staatsstrasse zunächst geschlossen scheinende Baukörper, öffnet sich nach Nordwesten mit seiner gesamten Fassade zu einem Lichtdurchfluteten Wandelgang, dessen Blicke auf den ehemaligen Grenzverlauf ausgerichtet sind.

(103)
Mensch Ernst oder Protest als gemeinsamer Nenner, Berlin

AUSLOBER
Land Berlin

ORT
Berlin Pankow

PROJEKTTYP
Begehbare Skulptur

WETTBEWERB
Kunstwettbewerb

Dem politisch und ästhetisch archaischen Ernst-Thälmann Denkmal wird ganz bewusst ein leichtes, durchscheinendes Pendant hinzugefügt. Dieses ist begehbar und ermöglicht eine Konfrontation mit dem Thälmannkopf auf Augenhöhe.

Im Spannungsfeld zwischen mächtiger und filigraner Skulptur entstehen Auseinandersetzungen mit den Themen Protest, Vereinnahmung und menschlicher Maßstab.

Die begehbare Struktur bietet sowohl Anwohnern, als auch Besuchern neue Möglichkeiten der Aktivität und des Aufenthalts, lässt sie in Farbstimmungen eintauchen und nicht nur auf das Denkmal, sondern auf den gesamten Ernst-Thälmann Park ungewohnte Blicke richten. 

(092)
Stadttheater Landshut, 4. Preis im Wettbewerb

AUSLOBER
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

ORT
Neubau Forschungsgebäude IMITATE

PROJEKTTYP
Kunst am Bau

WETTBEWERB
Kunstwettbewerb

Wie hineingegossen schmiegt sich die neue Theatererweiterung des Stadttheaters Landshut an den historischen „Bernlocher Komplex“ und bildet gemeinsam mit ihm nach außen hin eine klar formulierte Kante. 
Im Inneren verschränken sich selbstlos und ohne Berührungsängste Alt und Neu miteinander und dienen damit bestmöglich einem hocheffizienten Theaterbetrieb. In seiner äußeren Erscheinung demonstriert das neue Theaterhaus eine eigenständige architektonische Position und bildet an der Südwestecke des Gebäudeensembles einen repräsentativen Eingang mit Vorplatz. Das Thema der Gewölbe aus dem Inneren des Altbaus, wird, in leicht verspielter und variantenreicher Manier, mit der neuen Fassade bis in den Außenraum getragen. Damit nimmt der Erweiterungsbau auch Bezug zu Landshuts baugeschichtlich und kulturhistorisch bedeutsamen Erscheinungsbild, in dem der Bogen als Sturzüberbrückung noch eine vertraute Öffnungsform darstellt.

(071)
Neuapostolische Kirche Coburg


AUSLOBERIN
Neu Apostolische Kirche

ORT
Bahnhofstraße, Coburg

PROJEKTTYP
Neubau
Kirche

WETTBEWERB
Mehrfachbeauftragung

Unser Entwurf sieht einen klaren, hellen Baukörper vor, der in städtischer Manier die Solitäre in der Bahnhofsstraße fortsetzt. Mit ihrer Annäherung an die umliegenden Traufhöhen und der charismatischen Wölbung der Frontfassade behauptet sich die neue Kirche zwischen den Nachbarn ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die den Wohnhäusern in der Bahnhofstraße vorgelagerten Hecken und Zäune finden vor der neuapostolischen Kirche eine Unterbrechung. Hier entsteht ein Vorplatz mit offenem und öffentlichem Charakter. Unterstützt wird dieser Eindruck dadurch, dass das kompakt geformte Volumen einzig an der Vorderseite ein wenig von seiner Pragmatik abweicht und mit einer nach innen gewölbten Fassade eine ebenso markante wie einladende Geste beschreibt. In den Sommermonaten kann sich das Gemeindeleben bis hinaus auf den Platz ziehen.

(084)
Revitalisierung alte Spinnerei Kulmbach, 2. Preis im Wettbewerb

AUSLOBERIN
Stadt Kulmbach

ORT
Alte Spinnerei, Kulmbach

PROJEKTTYP
Umbau Industriegebäude

LANDSCHAFTSARCHITEKTEN
Station C23 Leipzig

WETTBEWERB
2. Preis Realisierungswettbewerb

Präzise und  stolz wie zu Hochzeiten der Kulmbacher Textilindustrie vor etwa einem Jahrhundert, steht die Alte Spinnerei im Stadtgefüge. Auf den ersten Blick unverändert, sind mit dem Einzug der neuen Nutzer jedoch auch räumliche Veränderungen einhergegangen. Veränderungen, die die äußere Erscheinung auf subtile Weise prägen und den Innenraum ganz neu definieren: Ein ebenerdiger Eingang öffnet das Gebäude über die gesamte Platzseite, ein haushohes Foyer schafft eine völlig neue Raumgeste und niedrigere Geschosshöhen werden den neuen Anforderungen an kleinere Raumstrukturen gerecht, ohne mit der kraftvollen Bestandsfassade in Konflikt zu geraten.

STÄDTEBAULICHE ORDNUNG
Der erste Schritt den Kopfbau und den Bau A1 Ost herauszustellen, besteht in einer Ordnung der Höhenniveaus und Geländeanschlüsse. Durch das Beseitigen der Brüche und Geländekanten zwischen der Nord- und Südhälfte des Platzes zum Einkaufszentrum entsteht mit wenigen Mitteln ein einheitliches Platzniveau.

Das Gebäude steht nun am Platz. Über diesen neuen Platz wird das Foyer im Kopfbau ebenerdig und schwellenlos betreten. Das frühere Untergeschoss ist nun das Erdgeschoss, das Foyer eine Verlängerung des Außenraums, mit einem direkt angrenzenden öffentlichen Veranstaltungssaal.

Der Bau A1 Ost sorgt mit wiederhergestellten Nord- und Südseiten für eine Beruhigung des gesamten Spinnereiareals.

ARCHITEKTUR
Der architektonische Schatz des Ensembles ist die eindrucksvolle Fassade des Kopfbaus. Es ist von höchstem Wert, diese zu erhalten und ungestört wirken zu lassen.

Im Zusammenhang mit den Ansprüchen an die Kleinteiligkeit und Bauklimatik der neuen Nutzung hilft diesem Ziel paradoxerweise der schlechte Zustand der historischen inneren Tragkonstruktion. Wie im Statikgutachten empfohlen, wird diese entfernt und ein neuer Baukörper mit Abstand zur Bestandsfassade errichtet; dieser rückt nicht nur ab, er hat auch mehr Geschosse als sein Vorgängerbau. So können die vielen geforderten kleinen Büroräume in logischer Rasterung und mit angenehmen Raumproportionen gebaut werden, ohne die Außenfassaden durch eine Fülle von Wandanschlüssen zu zerstören.

Der umlaufende Luftraum funktioniert unter anderem als klimatischer Pufferraum, so dass bei der neuen Gebäudehülle mit schlanken Querschnitten gearbeitet und auf einen außenliegenden Sonnenschutz verzichtet werden kann.

Die Außenwirkung zeigt sich besonders schön in der Dämmerung und an trüben Tagen, an denen das Haus über seine gesamte Fassadenfläche freundlich und warm schimmert.

(082)
Kloster Gransee, 3. Preis im Wettbewerb


AUSLOBERIN
Gemeinde Gransee

ORT
Bibliothek Gransee

PROJEKTTYP
Denkmalsanierung und Neubau

WETTBEWERB
3. Preis Realisierungswettbewerb

Der Platz vor der Alten Schule wird zum Vorplatz der Bibliothek. Eine neue Freitreppe weist auf die herausgehobene öffentliche Funktion hin. 

Der markante Pflasterweg mit Kastanien parallel zum Klausurflügel hat bereits heute die räumliche Kraft für einen angemessenen Vorbereich der neuen Ausstellungsräume im Erdgeschoss des historischen Baus. Wir nutzen diesen Umstand, um hier einen separaten Zugang zu schaffen.

Mit sparsamen Eingriffen in das städtebaulichen Gefüge aktivieren wir den sehr schönen Garten auf der Ostseite räumlich. Dies unterstützen wir durch die Ergänzungen Wandelgang und Café in der Remise. Der geschwungene Wandelgang definiert einen neuen Innenhof zwischen Klausurflügel und Alter Schule; durch seine Bögen öffnen sich verschiedene Perspektiven in den Garten, denen das Café im Norden mit einer besonnten Außenfläche gegenüberliegt. Dazwischen erstreckt sich der Garten als Spielfläche des neuen Ortes für Kultur und Bildung in Gransee.

(056)
Spiritus Familiaris, IKMZ Universität Potsdam

AUFTRAGGEBER
Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB)

ORT
Informations- Kommunikations- und Medienzentrum der Universität Potsdam (IKMZ)

BAUBUGET
130.000 €

SPIRITUS FAMILIARIS ist eine Serie von fünf künstlerischen Eingriffen am Informations- Kommunikations- und Medienzentrum der Universität Potsdam (IKMZ). Die einzelnen Kunstwerke sind Inszenierungen einer skurrilen Zweitwelt. Sie nehmen nicht nur Bezug zueinander, sondern sind auch eng verknüpft mit der Architektur des sie umgebenden Raumes. Die Architektur des IKMZ scheint die Kunst sogar nahezu zu gebären. Aus ihren glatten, großzügigen, teils farbig lackierten Oberflächen, wachsen die Kunstwerke in jeweils gleicher Materialität heraus. Wie ein Chamäleon passt sich jedes einzelne Werk dem Material und der Farbigkeit seiner Umgebung an. 

Realisierung 2016

(072)
Neue Remise, Sch(l)afstall auf Schloss Bedheim

AUFTRAGGEBER
Förderverein Schloss Bedheim

ORT
Schloss Bedheim, Bedheim

PROJEKTTYP
Neubau

BAUKOSTEN KG 200 – 800
300.000 €

FÖRDERER
IBA-Thüringen
Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft

BGF
400 m2

NF
204 m2

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

Schloss Bedheim nimmt an der Internationalen Bauausstellung Thüringen teil. Eines der ersten realisierten Projekte der IBA Thüringen ist die Neue Remise im Wirtschaftshof der Schlossanlage. Mit dem Holzbau zeigen Architekten und Auftraggeber, wie mit einfachen Mitteln und zum großen Teil im Selbstbau architektonische Qualität im ländlichen Raum geschaffen werden kann.

Der lange Baukörper füllt eine wichtige Fehlstelle im Denk- malensemble. Das außen dunkle und zurückhaltende Haus überrascht im Inneren mit sehr hellen und eigenartigen Räumen. Beim Bau wurde weitgehend auf gekaufte Bauelemente verzichtet, auch die Fenster wurden selbst angefertigt. Das Projekt zeigt die Vorteile des Holzbaus und formuliert eine Gegenposition zum technisierten und hochautomatisierten Holzbau, wie er derzeit propagiert wird. Die Nutzungen der Neuen Remise ähneln denen einer Berghütte ohne Berg. Neben einem Schlafsaal und einem Gästezimmer gibt es eine großzügige Küche, die auch gleichzeitig Aufenthalts- und teilweise sogar Ausstellungsraum ist. Sanitäre Anlagen und Lagerflächen für das nebenstehende Gartencafé ergänzen das Programm.

Damit übernimmt der Ende 2018 fertiggestellte Neubau an diesem komplexen Ort eine Schlüsselposition. Das Gebäude hat eine Hebelwirkung: Mit ihm geht nun vieles, was zuvor schwer vorstellbar war und das unkomplizierter, wärmer, ökonomischer und ökologischer.

(070)
Supermarkt Stützerbach, 2. Preis im Wettbewerb


AUSLOBER
Gemeinde Stützerbach

ORT
Hüttenplatz, Stützerbach

PROJEKTTYP
Neubau

WETTBEWERB
2. Preis Realisierungswettbewerb

Das neue Dorfzentrum von Stützerbach entsteht durch die Setzung eines klaren, selbstbewussten Baukörpers, der sich in Form und Material zum neuen Platz hin öffnet. Ein weit auskragendes Vordach beschirmt den Eingangsbereich und schafft eine Geschützte Aufenthaltszone. Die verglaste Fassade zum Platz hin verbindet den Innenraum mit dem Aussenraum und schafft ein buntes und lebendiges Szenario aus einkaufenden, verweilenden, spielenden Bürgern und zum Verkauf stehenden waren.

(051)
Bedheimer Kamingespräche überLand.Bau.Kunst

GASTGEBER
Anika Gründer und Florian Kipfel

ORT
Schloss Bedheim

VERANSTALTUNGSFORMAT
Konferenz seit 2015

Die Bedheimer Kamingespräche über Land.Bau.Kunst sind eine 2015 ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe über ein jeweils aktuelles Thema zu den Überbegriffen architektonische und künstlerische Qualitäten auf dem Lande.

Gegründet und organisiert wurde dieses Format von Anika Gründer, Florian Kirfel, Nikola Mayer und Erik van der Werf. Es findet in Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung der IBA Tühringen statt.

Ende Oktober, wenn der Spätsommer noch nicht ganz fort ist, aber das Kaminfeuer schon populär, laden wir seit 2015 zu den Bedheimer Kamingesprächen ein. Eine Gruppe von 20 bis 30 an Baukultur im weitesten Sinne interessierten Gästen versammelt sich für ein Wochenende auf Schloss Bedheim um gemeinsam über ein Thema zu diskutieren, frische ländliche Luft zu atmen, Kartoffeln zu schälen und ausgedehnt gemeinsam zu speisen.

Die Gäste sind eine Auswahl von renomierten Architekten, Entscheidungsträgern aus der Politik, Journalisten, Schriftstellern und langjährigen Freunden Schloss Bedheims.

ERSTES KAMINGESPRÄCH_ 23. – 24. Oktober 2015
Architekturproduktion in und aus der Provinz

ZWEITES KAMINGESPRÄCH_ 21. – 22. Oktober 2016
HANDS ON _ Der Selbstbau zwischen Baumarktcharme und künstlerischem Meisterwerk

DRITTES KAMINGESPRÄCH_ 5. Oktober 2018
U-TURN, I-TURN, STADTFLUCHT – Initiativen für Kunst, Bauen und Anbauen auf dem Land

(061)
Massen in Bewegung – Hamm 2015, 3. Preis im Wettbewerb

AUSLOBER
Stadt Hamm

ORT
Haldenfamilie am Lippepark Hamm

PROJEKTTYP
Begehbare Skulpturen

WETTBEWERB
3. Preis Kunstwettbewerb

5 massige, geheimnisvolle Gestalten prägen die Kuppen der Halden Schacht Franz Nord, Radbod, Sundern, Kissinger Höhe und Humbert. In Höhe und Breite variierend, haben sie doch drei Gemeinsamkeiten, welche sie als klar zusammengehörige Familie erkennbar machen: alle fünf Skulpturen basieren auf der Kubatur eines Zylinders. Alle fünf Skulpturen bestehen aus exakt 100 Kubikmetern Masse.
Alle fünf Skulpturen sind aus dem Gestein jeweils der Halde auf der sie stehen gebaut.
Die Auseinandersetzung mit der Stadt Hamm und ihrer Bergbaufolgelandschaft geschieht somit unmittelbar, nämlich durch das Bauen mit dem Ort selbst. Durch stampfen wird der Abraum, das Lokale, die Landschaft prägende Material zur Skulptur.

(000)
Bauwerkstatt Schloss Bedheim

LEHRFORMAT
Eigenes Lehrformat an der Bauhaus-Universität Weimar

ORT
Schloss Bedheim

DAUER
2 Wochen

ZIELGRUPPE
Bachelor- und Masterstudierende

LEHRENDE
Anika Gründer und Florian Kirfel

Seit 2014 bieten wir jedes Jahr im September ein zwei- wöchiges Blockseminar für Architekturstudierende der Bauhaus-Universität-Weimar an.
Konzept und Organisation der Bauwerkstatt wurden von uns entwickelt. Das Seminar ist an den Lehrstuhl für Baugeschichte und Denkmalpflege von Herrn Prof. Hans-Rudolf Meier angegliedert.

Ziel der Bauwerkstatt ist die Verknüpfung von Lehre, Forschung und Praxis. Die Studierenden lernen in der Bauwerkstatt durch praktische Anwendung Baukonstruktionen und Baumaterialien beim Bauen im Bestand und in der Denkmalpflege kennen. Dabei handelt es sich sowohl um historische als auch zeitgenössische Techniken. Das Vorgehen von Restauratoren kann ebenso Inhalt sein, wie die Ertüchtigung bestehender Bausubstanz. Weitere Lerninhalte sind eigenverantwortliche Arbeit auf einer Baustelle, Selbstorganisation und Teamwork. Weiterführend möchten wir durch die Gewinnung eines sichereren physischen Umgangs mit dem Denkmal, auch einen sichereren Umgang beim Entwerfen von Aufgaben in der Denkmalpflege und beim Bauen im Bestand fördern.
Die einzelnen Arbeitsschritte werden in ihren grösseren architektonischen und konstruktiven Zusammenhängen erläutert. Dies geschieht einmal direkt auf der Baustelle, bei Rundgängen durch das Schloss und bei Vorträgen nach Feierabend. Handwerker und Hersteller von Baumaterialien werden zusätzlich herangezogen.

Vorbild für diesen Ansatz sind design&build-Studios der US-amerikanischen Architektenausbildung.

(066)
Raumkörpergeste, Kunst für die Staatsoper Berlin, 3. Preis im Wettbewerb


AUSLOBER
Stadt Berlin

ORT
Staatsoper Berlin

PROJEKTTYP
Rauminstallation

WETTBEWERB
3. Preis Kunstwettbewerb

Durch minimale Berührungen werden zweidimensionale Flächen zur Formung eigener Gesten gebracht. Körper interagieren direkt mit dem Raum; eine Raumkörpergeste entsteht.

Durch 24 Wandfelder der Konditorei drücken sich Komponenten KÖRPERLICHER Gesten. ZU SEHEN SIND Körperteile, welche gerade an der Ausführung einer Geste beteiligt sind; Andeutungen von Gesten.

Eine Hand, ein Finger, ein Knöchel berührt den dehnbaren Stoff und zwingt die gesamte Fläche sich in seine Richtung auszudehnen. Genau diese, den Stoff berührenden Körperteile, sind im Kunstwerk verstetigt. Der Rest der Geste hat sich verflüchtigt. 

Sind es die Darsteller von der Bühne, die sich da durchdrücken? Stammen die Bewegungen aus Ballett und Oper? Oder sind es Teile von Alltagsgesten? Ist das nicht ein ganz normaler Ellenbogen, wie der der Dame, die gerade das Sektglas festhält? Nein, sind diese Hände nicht gerade am Flicken von etwas? Sind es gar die Menschen hinter den Kulissen, die sich hier durchdrücken? Einige der 800 unsichtbaren Angestellten der Staatsoper?

Die dargestellten Gestenfragmente ermöglichen unterschiedliche Deutungsmuster, lassen Freiraum für die Fantasie der Besucher und setzen Reflexionen über Körperlichkeit, Entkörperung und den Organsimus Opernhaus, mit all seinen im Verborgenen ablaufenden Vorgängen in Gang.

(041)
Markt 33, Ummerstadt

AUFTRAGGEBER
Stadt Ummerstadt

ORT
Marktplatz in Ummerstadt

PROJEKTTYP
Umbau und Sanierung, Denkmalpflegerische Instandsetzung

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

BAUKOSTEN KG 200 – 800
1.000.000 €

Das ehemalige Wohnhaus aus Fachwerk und seine Nebengebäude sind ein Einzeldenkmal und liegen markant an der Ecke des Ummerstädter Marktplatzes. Die Baugeschichte des Anwesens reicht bis in das 17. Jahrhundert zurück.

Nach jahrelangem Leerstand waren zunächst aufwändige Sicherungsmaßnahmen notwendig. Während die Fassade weitgehend nach historischem Vorbild wieder hergestellt wurde, wurde die kleinteilige Struktur im Innenraum den neuen Nutzungen angepasst.

Als ein besonders typisches Beispiel für die Revitalisierung von Bestandsbauten im innörtlichen Raum, ist der Markt 33 selbst Anschauungssprojekt des Kompetenzzentrums.
Im Anwesen befinden sich neben Ausstellungs- und Veran- staltungsräumen auch die Geschäftsstelle der Iniative und eine kleine Ferienwohnung für Radtouristen.

Das Projekt wurde durch die Städtebauförderung und das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gefördert. In 5 Bauabschnitten wurde das Projekt von 2014 – 2018 realisiert.

(012)
Verwerfung, Villa Rosenthal, Jena

AUFTRAGGEBER
JenaKultur

ORT
Villa Rosenthal in Jena

MATERIAL
Stampfbeton, Holz, Stahl

LEISTUNGSUMFANG
Konzept und Ausführung

BAUKOSTEN KG
60.000 €

ABMASSE
5,5 x 5,0 x 3,8 m

Als Folly und gleichzeitig Stück zeitgenössischer Kunst, zitiert die Arbeit Verwerfung oder die Eroberung eines Blickes keine architektonischen Typologien wie Tempel oder Kathedrale, sondern nimmt Bezug auf einen Blick und somit eine Landschaftsform; hat als Referenz nicht ein geschichtliches Objekt, sondern den Berg gegenüber.

Die Skulptur wurde vom StudioGründerKirfel im Selbstbau, gemeinsam mit Studierenden der Bauhaus-Universität-Weimar errichtet.

Ähnlich wie eine Stadt eine Partnerstadt hat, erhält die Villa Rosenthal einen Partnerort: die Studentenrutsche, eine weithin sichtbare Verwerfung in den Jenaer Kernbergen. Eine Verwerfung ist eine Bruchstelle im Gestein, eine geologische Störung, die zwei Gesteinsbereiche gegeneinander versetzt. Im Falle der Studentenrutsche wurde die Terebratula-Zone (unterer Muschelkalk) auf der südlichen Seite um etwa 6 Meter relativ zur Nordseite abgesenkt. Als Zeichen der Verknüpfung beider Orte wird im Garten der Villa Rosenthal eine begehbare Skulptur, ein neues Folly errichtet, von deren Innenraum sich der gezielte Blick auf die gegenüberliegenden Kernberge eröffnet. Die Partnerschaft macht sich bereits vor Eintritt in die Skulptur bemerkbar, denn seine äussere Hülle bildet die markante Muschelkalkstruktur des gegenüberliegenden Hangs ab.

Ansatzpunkt ist es, die Aufmerksamkeit auf das ureigene Potential des Ortes, nämlich die Lage auf einer Klippe und somit der Blick in die Ferne, zu lenken.

(001)
Schloss Bedheim

AUFTRAGGEBER
Familie Kirfel-Rühle

ORT
Schloss Bedheim, Bedheim

PROJEKTTYP
Notsicherung
Nutzungskonzept
Renovierung / Konservierung
Rekonstruktion

LEISTUNGSUMFANG
Leistungsphasen 1 – 9

REALISIERUNG
2012 – 2020

Die barocke Schlossanlage von Bedheim ist ein überregional bedeutendes Beispiel für einen barocken Gutshof mit sehr differenzierter Baugeschichte.
Seit 2012 bis heute saniert und revitalisiert das Studio Gründer Kirfel das Denkmalensemble in Teilschritten. Seit 2013 haben wir auch unseren Wohn- und Bürositz dort.

Umfangreichen Notsicherungen und Bestandsaufnahmen folgte die Ausarbeitung eines breit aufgestellten Konzeptes für die Restaurierung und denkmalverträgliche Revitalierung. Reparatur, Ergänzung, der Ersatz von Bauteilen, erfolgte in substanzschonenden, historischen Bauweisen. In den Bauten und Räumen musste ein breites Spektrum an Funktionen untergebracht werden: Wohnraum, öffentliche Veranstaltungsbereiche, Museale Ausstellungsräume, Gastronomie, Gartenbau, Ateliers usw. Das Konzept ist langfristig angelegt und bedarf eines präzisen und integrierten Planungsaufwandes.

2009 wurde das kleine Wachhaus aus dem 18. Jahrhundert in ein Café umgenutzt. Nach sorgfältigem Aufmass wurde das Gebäude von allen Einbauten befreit und die ursprüngliche Erschliessung wieder hergestellt.
2012-13 wurden der Ostgiebel und der Mittelrisalit mit Fördermitteln aus dem Denkmalschutz- Sonderprogramm des Bundes III, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege saniert und rekonstruiert. 2012 -2015 wurden 5 Wohnungen saniert und der Josephssaal im Westflügel wiederhergestellt. 2014 folgten Reparatur und Verputz der gartenseitigen Außenfassaden. 2015 wurden die Vorräume des Josephsaals wiederhergerichtet.

(043)
Sphäre g1 – München 2013

AUSLOBER
Klinikum der Universität München

ORT
Marchioninistraße, München

PROJEKTTYP
Begehbare Skulptur

WETTBEWERB
Kunstwettbewerb

Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung der Außenbereiche – Klinikum der Universität München.
Neubau für das Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung

Die begehbare Skulptur „Sphäre g1“ bietet den Durchwegenden, seien es Patienten, Besucher oder Forscher unterschiedliche Angebote der Benutzung und der Aneignung. Die Skulptur lässt verschiedene Interpretationen zu und wird so für jeden das, was seiner Gedankenwelt gerade am nächsten ist:

Einer betritt ein höhlenartiges Objekt, in dem er sich geborgen fühlt und zur Ruhe kommt, ein nächster läutet die Glocke und befindet, dass es sich bei der Skulptur wohl um eine kleine ungewöhnliche Kapelle handelt, einen weiteren überkommt beim Betreten des rundlichen Körpers das Gefühl einer Reise in sein eigenes Gehirn und für wiederum einen anderen ist das Kunstwerk zu seinem favorisierten Mittagspausenplatz geworden. Hier isst er gerne seine Wurstsemmel, da er hier hell und gleichzeitig wettergeschützt sitzen kann.

(003)
Interventionen auf Schloss Bedheim

ORT
Schloss Bedheim, Bedheim

KUNSTWERKE
Teilsaniert 2013
Abtrag 2014
Brauchst du hier Mut 2015/2016

TEILSANIERT_ Der Zustand des Denkmalensembles wird in einem einzigen Objekt zusammengefasst. Ein hölzerner Balkon an der, dem französischen Garten zugewanndten Nordseite des Schlosses, wurde in akribischer Handarbeit exakt zur Hälfte von Einbauten der 70er Jahre befreit und anschließend mit weisser Leinölfarbe gestrichen. Die Idee der Teilung wurde dabei bis ins Detail durchgehalten und sogar auf Bepflanzung und Möblierung ausgeweitet.

BRAUCHST DU HIER MUT_ Ist ein häufig zu hörender Satz auf Schloss Bedheim. Die immer wieder in allen möglichen Varianten ausgerufene, geflüsterte oder geseufzte Mut-Bekundung, irritierte uns sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer inhaltlichen Aussage. Das Kunstwerk ist somit eine Konfrontation der Besucher mit ihren eigenen Wünschen, Ansprüchen, Sorgen und Ängsten sowohl an einen Denkmalbesuch als auch an ihre persönliche Lebensplanung.

ABTRAG_ Künstlerische Begleitung der im Winter folgenden Stuckrestaurierung des Josephssaals. Die alten Farbschichten wurden entlang einer Querachse des Saals entfernt und dieser Prozess fotografisch dokumentiert. Der Stuckateur Klaus Rietschel aus Weimar stand dem Vorhaben mit seinem Fachwissen beiseite und stellte Heißdampfstrahler, Vakuumgerät, Zellulosekompresse, Stachelwalze, Spachtel und Modellierhölzer zur Verfügung.

(039)
Streifzüge durch Japans Gebrauchte Architektur, Kyoto (J)

AUFTRAGGEBER
Goethe Institut

ORT
Goethe Institut Villa Kamogawa, Kyoto (J)

JAHR UND DAUER
Mai – Juli 2013

Erstes Ergebnis unsres dreimonatigen Stipendienaufenthalt in der Künstlerresidenz des Goethe Instituts in Kyoto, war die Ausstellung Streifzüge durch Japans gebrauchte Architektur in der Villa Kamogawa und ein dazugehöriger Vortrag. Ein Netz aus den, in Japan derzeitig boomenden Hygienemasken wurde zum Träger von architektonischen (und nicht architektonischen) Eigenheiten des Landes. Ebenfalls zu sehen war unsere, in Bentoboxen archivierte, Sammlung umgenutzter und Gebrauchter Architekturen.

Inspiriert von Terunobu Fujimoris Architecture Detectives League und der ROJO Kansatsu Gakkai (Street Observation Society) und beeinflussst von Arata Isozakis theoretischen Überlegungen zur Japan-ness in der Architektur haben wir im April 2013 unsere Streifzüge durch Japans Gebrauchte Architektur begonnen. Unsere Beobachtungen haben wir fortwährend fotografisch und schriftlich festgehalten und später katalogisiert. Parallel zu den eigenen Beobachtungen diskutierten wir unsere Fragen in persönlichen Gesprächen mit Architekten, Institutionen und Wissenschaftlern.

(018)
Lutherkanzel, Torgau

AUSLOBER
Bund Bildender Künstler Leipzig e.V. in Kooperation mit der Stadt Torgau

ORT
Nikolaikirche, Torgau

PROJEKTTYP
Temporäre Installation

Mit der Arbeit LUTHERKANZEL 2012 wird eine verborgene Spur wieder aufgenommen und die ehemalige Nikolaikirche, ein einst bedeutsamer Ort, an dem Martin Luther vor fast 500 Jahren die ersten Taufen und Predigten auf Deutsch hielt, wieder sichtbar gemacht.

Wie ein wertvolles Kleinod liegt die weiße Kanzel an der durch unzählige Geschichtsspuren gekennzeichneten Fassade. Seit ihrer Erbauung im 13. Jahrhundert wurde die Kirche als Gewandhaus, Kaufhaus, Lager, Gefängnis, Behausung für einen großen Wassertank und als Munitionslager genutzt.

Durch die Platzierung eines einzigen Objektes wird nun der einst sakrale Innenraum für wenige Monate in den Außenraum verlegt.

Die LUTHERKANZEL 2012 funktionierte als eigenständiges Objekt, wurde im Sommer 2012 jedoch auch mit einer Theaterperformance, einem Lesewettbewerb und Konzerten bespielt. Die Installation wurde zum Katharina-Tag, am 30. Juni, der Öffentlichkeit übergeben.